Häufige Erkrankungen
Aufgelistet sind einige Erkrankungsbilder, die häufig in der Praxis abgeklärt und behandelt werden. Sollte Ihre Erkrankung nicht in der Liste verzeichnet sein, können Sie sich selbstverständlich trotzdem an die Praxis wenden.
Hirngefäßerkrankungen und Schlaganfall
Schlaganfallprophylaxe
Ablagerungen oder Verengungen der hirnversorgenden Arterien können mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergehen. Eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern und ihrer Verzweigungen im Hals- und Kopfbereich (letzteres über eine spezielle Ultraschallsonde durch den Schläfenknochen hindurch) kann hierüber Aufschluss geben. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse erfolgt eine ärztliche Beratung bezüglich weiterer Therapieoptionen.
Nachsorge
Auch Kontroll- und Verlaufsuntersuchungen nach einem Schlaganfall, einer Gefäßoperation oder einer Stent-Implantation im Hals-/Kopfgebiet können durchgeführt werden.
Multiple Sklerose (MS)
Bei der Multiplen Sklerose (MS) kommt es zu umschriebenen Entzündungen des Gehirns, des Rückenmarks oder der Sehnerven. Die Entzündungen treten durch eine Fehlfunktion des Immunsystems auf, das sich bei der MS gegen die Nervenzellen richtet. Da ganz unterschiedliche Regionen von Gehirn oder Rückenmark betroffen sein können, kann sich die Multiple Sklerose durch vielfältige Symptome äußern. Die ersten Zeichen treten meist im jüngeren Lebensalter auf. Häufig verläuft die Erkrankung in "Schüben", das sind Tage bis Wochen anhaltende Symptome, die dann wieder abklingen ("schubförmige" MS). Seltener kommt es zu einer langsamen Zunahme von Symptomen über eine längere Zeit ("progrediente" Formen der MS).
Abklärung
Zunächst kann in einem Gespräch und einer anschließenden körperlichen Untersuchung geklärt werden, ob typische Symptome für eine Multiple Sklerose vorliegen. Je nach Befunden wird häufig eine Kernspintomographie bei einem Radiologen veranlasst. Je nachdem können auch evozierte Potentiale, und Laboruntersuchungen von Blut und Nervenwasser (Liquor) nötig sein.
Die Abklärung und die Diagnosestellung richtet sich nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, des Kompetenznetz Multiple Sklerose und nach den international gebräuchlichen Diagnosekriterien (McDonald-Kriterien).
Therapie
Ziel der Behandlung ist, dass das Immunsystem die Nervenzellen nicht mehr attackiert und somit auch keine weiteren Krankheitssymptome auftreten. Hierzu wurden in den letzten Jahren zahlreiche gut wirksame und gut verträgliche Medikamente entwickelt, die zunehmend leicht zu verabreichen sind. So können auch hochwirksame Medikamente (z.B. Ocrelizumab, Ofatumumab, Natalizumab) aktuell subcutan, also in das Unterhautfettgewebe injiziert werden und benötigen keine längere Infusion über die Vene mehr. Daneben gibt es auch verschiedene als Tabletten verfügbare Substanzen.
Bei der Multiplen Sklerose ist es im Allgemeinen sehr wichtig, die medikamentöse prophylaktische Therapie möglichst früh zu beginnen. Früh deshalb, um erstens zu verhindern, dass durch eine ungebremste Entzündung weiteres Nervengewebe beschädigt wird, das sich dann nur schlecht regenerieren kann. Zweitens kann die Multiple Sklerose im frühen Krankheitsverlauf häufig besser zum Stillstand gebracht werden als im späteren Krankheitsverlauf.
Akute Krankheitssymptome (Schübe) können darüber hinaus häufig mit Cortison behandelt werden (Schubtherapie). Des Weiteren gibt es verschiedene Möglichkeiten, Krankheitssymptome zu lindern.
Epilepsie
Bei epileptischen Anfällen kommt es zu einer abnormen synchronen Übererregung von Nervenzellen. Epileptische Anfälle können nur einen Teil des Gehirns betreffen (fokale Anfälle) oder das gesamte Gehirn (bzw. beidseitige Netzwerke im Gehirn; generalisierte Anfälle). Je nachdem, welcher Teil des Gehirns betroffen ist, können die Symptome ganz unterschiedlich sein.
Häufig geht es in der Praxis darum, eine vorübergehende Symptomatik, etwa eine kurze Bewusstlosigkeit, genauer einzuordnen und die Frage zu klären, ob es sich hierbei um einen epileptischen Anfall gehandelt haben könnte. Hierzu ist zunächst die genaue Beschreibung der Episode wichtig, idealerweise durch eine Person, die die Episode beobachtet hat. Wenn Anfälle häufiger auftreten, können auch mit dem Handy aufgezeichnete Videos sehr hilfreich sein.
Bei einer gesicherten Epilepsie steht zumeist die anfallsprophylaktische Medikation im Fokus. Da in der Regel eine langfristige Einnahme nötig ist, sollte ein wirksames, jedoch auch möglichst nebenwirkungsfrei vertragenes Medikament ausgewählt werden. Bei der Medikamentenwahl ist auch zu beachten, dass nicht jedes Medikament zu jeder Epilepsieform passt.
Parkinson-Erkrankungen und Tremor
Was sind typische Symptome der Parkinson-Erkrankung?
Die drei typischen Kennzeichen der Parkinson-Erkrankung sind ein Zittern (Tremor), das meist in Ruhe auftritt und meist die Hände betrifft, eine Verlangsamung der Bewegungen mit Abnahme des Bewegungsumfangs sowie eine vermehrte Muskelsteifigkeit. Das Gangbild wird kleinschrittiger, vornübergebeugter, mit vermindertem Armschwung. Daneben gibt es zahlreiche nicht-motorische Symptome, beispielsweise ein vermindertes Geruchsempfinden und Veränderungen des Schlafs oder der Stimmung.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Erkrankung definiert sich über die Symptome, die durch einfache Prüfungen und Tests wie beispielsweise wiederholte Hand- und Fingerbewegungen oder die Beobachtung des Gangbilds und des Zitterns erfasst werden. Ein wichtiges unterstützendes Merkmal ist ein gutes Ansprechen auf die medikamentöse Therapie (siehe unten). Weitere Untersuchungen wie etwa ein MRT oder CT des Gehirns haben meist nur eine unterstützende Bedeutung.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Ursache der Parkinson-Erkrankung ist eine Abnahme von Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die medikamentöse Behandlung zielt daher in erster Linie darauf ab, vermehrt Dopamin oder ähnlich wirkende Substanzen bereit zu stellen, sodass die Krankheitssymptome gelindert werden.
Was sind weitere Ursachen für Zittern (Tremor)?
Wenn nur ein Zittern auffällt, ist die Ursache zumeist nicht eine Parkinson-Erkrankung. Häufig ist hier beispielsweise ein Essenzieller Tremor, eine zumeist gutartig und langsam verlaufende Form des Zitterns. Wichtig zur Unterscheidung der unterschiedlichen Formen des Zitterns sind Kriterien wie die Frequenz, die Verteilung (einseitig, beidseitig), Auftreten in Entspannung oder bei Bewegungen und andere, durch die neurologische Untersuchung zu erfassende Merkmale.
Schwindel und Gangstörungen
Wie entsteht das Gleichgewicht?
Obwohl wir das Gleichgewicht die meiste Zeit unseres Lebens als selbstverständlich hinnehmen, handelt es sich hierbei um eine sehr komplexe Leistung. Das Gehirn errechnet das Gleichgewichtsgefühl nicht nur auf der Basis der Sinnesimpulse aus den Gleichgewichtsorganen im Ohr, sondern auch anhand des Sehens und der sensiblen Informationen über die Stellung des Körpers und der Gliedmaßen im Raum. Anhand des so bestimmten Gleichgewichtsgefühls kann das Gehirn dann ermitteln, welche Bewegungen nötig sind, um nicht zu stürzen oder auch, welche Augenbewegungen nötig sind, um die Stabilität des Blicks zu gewährleisten (sodass Sie auch bei Bewegung wackelfrei sehen können).
Wie kommt es zu Schwindel?
Die Ursachen von Schwindel sind vielfältig. Zum Einen kann es zu Schwindel kommen, wenn die notwendigen Sinnesorgane nicht mehr gut funktionieren. Starker Drehschwindel, der sich anfühlt wie eine Karussellfahrt kann beispielsweise durch fehlerhafte Impulse aus dem Innenohr entstehen. Zu Unsicherheit und einem Schwindelgefühl beim Gehen kann es kommen, wenn das Gehirn etwa aufgrund einer Störung der sensiblen Nerven an den Füßen keine genauen Information über den Bodenkontakt hat. Zum Anderen kann die Ursache in der "Verrechnungsstelle", also im Gehirn liegen. Schwindel kann aber auch durch Kreislaufprobleme, Störungen des inneren Stoffwechsels (z.B. einen Infekt), bestimmte Medikamente, oder psychische Faktoren bedingt sein.
Wie wird Schwindel abgeklärt?
Die wichtigsten Anhaltspunkte zur Diagnose liefert das Gespräch. Wichtig zu wissen sind die Dauer und Häufigkeit des Schwindels oder der Schwindelattacken. Auch Informationen über Tätigkeiten und Situationen, durch die der Schwindel ausgelöst oder auch vermindert wird, sind wertvoll. Des weiteren sind Angaben über Begleitsymptome, die in zeitlichem Zusammenhang mit dem Schwindel auftreten, hilfreich. Es schließt sich dann eine ärztliche körperliche Untersuchung mit verschiedenen, einfach durchzuführenden Prüfungen unter anderem des Gleichgewichts und der Augenbewegungen an. Dann kann über weitere Untersuchungen entschieden werden, etwa eine ergänzende Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße.
Nicht immer kann die Ursache des Schwindels abschließend geklärt werden, auch, da der Schwindel zum Untersuchungszeitpunkt manchmal schon wieder abgeklungen ist. Dann zielt die Untersuchung darauf ab, weiter abklärungsbedürftige Befunde auszuschließen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Sollte der Schwindel Ausdruck einer Erkrankung des Gehirns oder der Nerven sein, wird dementsprechend behandelt. Glücklicherweise ist dies jedoch nur eher selten der Fall. Ansonsten gibt es (nur) gegen einzelne spezielle Schwindelformen gut wirksame Medikamente. In vielen anderen Fällen helfen Medikamente bei Schwindel nur unzureichend oder können sogar zu Nebenwirkungen führen. Sinnvoll können dann stattdessen verschiedene Übungen sein, die das Gleichgewicht trainieren, in manchen Fällen auch unterstützt durch Physiotherapie. Auch ein Schwindeltagebuch kann sinnvoll sein, um Auslöser, wie z.B. Stresssituationen zu erkennen. Manchmal hilft auch das einfache Wissen weiter, dass hinter dem Schwindel keine weitere ernste Erkrankung steckt.
Kognitive Störungen und Demenz
Häufige Anzeichen für eine nachlassende kognitive Leistungsfähigkeit sind
Störungen des Gedächtnisses, häufiger auch der örtlichen Orientierung. Patienten fragen oft Ähnliches wiederholt, haben Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, was etwa bei Telefonaten oder Arztterminen besprochen wurde und schreiben sich mehr auf. Es gibt jedoch auch Demenzformen, bei denen nicht die Gedächtnisstörungen im Vordergrund stehen, sondern eher der Verlust von Wissen und Sprache. Manchmal kommt es auch zu einer Überlappung mit motorischen Störungen, etwa des Gehens oder der Koordination, oder es fallen Verhaltensänderungen auf.
Das Gespräch mit Patienten und Bezugspersonen, die neurologische Untersuchung und eine Gedächtnistestung können bereits gute Anhaltspunkte dafür geben, um was für eine Art von Störung es sich handelt. Falls nötig, können noch weitere Untersuchungen geplant werden. Anschließend erfolgt eine Besprechung der Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.
Karpaltunnelsyndrom und Kubitaltunnelsyndrom
Beim sehr häufigen Karpaltunnelsyndrom Ist der Nervus medianus (Mittelarmnerv) am Handgelenk durch ein straffes Band eingeengt. Typischerweise kommt es zu nächtlich betontem Kribbeln und zu Sensibilitätsstörungen der Hände. Diese Beschwerden können auch tagsüber etwa beim Fahrradfahren oder dem längeren Halten eines Telefonhörer auftreten. Häufig schütteln die Betroffenen die Hände dann aus.
Beim Kubitaltunnelsyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndrom, Ulnaris-Rinnen-Syndrom) ist der Kanal für den Nervus ulnaris (Ellennerv) in der Rinne an der Innenseite des Ellenbogens (im Bereich des Musikantenknochens) zu eng. Dann kommt es zu Kribbeln und Gefühlsstörungen des Klein- und Ringfingers und der angrenzenden Handkante, bei schwerer Ausprägung auch zu einer Schwäche der Handmotorik.
Zur Diagnosestellung sind auch gemäß der aktuellen Leitlinien Messungen der Nervenleitgeschwindigkeiten notwendig. Diese sind typischerweise über die Engstelle hinweg verlangsamt. Häufig wird auch ein Nervenultraschall durchgeführt, der typischerweise eine Schwellung des Nervs vor der Engstelle zeigt. Diese Messungen dienen dazu, die Diagnose zu sichern und gegen andere Problematiken, etwa Kompression von Nervenwurzeln abzugrenzen.
Therapeutisch kann bei leichteren Fällen zunächst eine nächtliche Ruhigstellung mit einer Schiene erfolgen, bei ausgeprägten Symptomen kommt eine handchirurgische Dekompression in Betracht. Vorübergehend kann manchmal die Gabe von Cortison erfolgen.
Polyneuropathien
Polyneuropathien sind Erkrankungen der Nerven, die sich am häufigsten durch Missempfindungen und Gefühlsstörungen der Füße äußern. Seltener kommt es auch zu motorischen Einschränkungen.
Polyneuropathien können sehr viele Ursachen haben, etwa Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Schädigungen durch Substanzen, etwa im Rahmen einer Chemotherapie, autoimmune Entzündungen, bis hin zu genetischen (erblichen) Ursachen. Gerade bei leichteren Polyneuropathien, die im höheren Lebensalter auftreten, findet sich häufig auch keine fassbare Ursache (dann ist jedoch auch im Verlauf nicht mit gravierenden Einschränkungen zu rechnen).
Zur Diagnosestellung werden Elektroneurographien (Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit) durchgeführt, auch der Nervenultraschall kann in einigen Fällen aufschlussreich sein, da sich bei manchen entzündlichen und genetischen Formen Verdickungen der Nerven feststellen lassen.
Kopf- und Gesichtsschmerzen
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in der neurologischen Praxis. Die Diagnosestellung richtet sich nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation (International Classification of Headache Disorders, ICHD-3). Generell werden primäre und sekundäre Kopfschmerzerkrankungen unterschieden. Bei den primären Kopfschmerzen findet sich keine fassbare strukturelle Ursache; hierzu zählen etwa die Migräne oder der Kopfschmerz vom Spannungstyp. Die sekundären Kopfschmerzen sind Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Störung der Blutgefäße, einer Verletzung oder einer internistischen Erkrankung. Ein weiterer Bereich sind Gesichtsschmerzen, zu denen beispielsweise die Trigeminusneuralgie zählt.
Die Einteilung richtet sich zunächst ganz wesentlich nach den geschilderten Symptomen, also der Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzepisoden, Begleitsymptomen und Auslösern. Danach kann über die weitere Abklärung und Therapie entschieden werden.
Restless legs (Syndrom der unruhigen Beine)
Beim Syndrom der unruhigen Beine (englisch Restless-Legs-Syndrome, RLS) kommt es in Ruhe insbesondere abends und nachts zu einem Drang, die Beine bewegen zu müssen. Häufig besteht
insbesondere in den Beinen ein Gefühl der inneren Spannung, teilweise auch Missempfindungen wie Kribbeln oder Ziehen, welche sich durch Bewegen, also Umhergehen, aber auch etwa Dehnübungen mildern lassen. Die Symptome können zu deutlichen Einschlafstörungen und auch zu Einschränkungen bei der Arbeit oder bei Freizeitaktivitäten (etwa beim Kino- oder Theaterbesuch) führen.
Die Diagnose ergibt sich aus der typischen Beschwerdeschilderung. Weiterhin werden mögliche behandlungsbedürftige Auslöser und Verstärker eines Restless-Legs-Syndroms ausgeschlossen. Dazu gehören beispielsweise Störungen der Nervenfunktion an den Füßen / Beinen (Polyneuropathie), Eisenmangel oder eine verminderte Nierenfunktion. Auch verschiedene Medikamente oder eine Schwangerschaft können ein Restless-Legs-Syndrom verschlimmern.
Um die Beschwerden zu lindern, sollten Schlafmangel, Koffein und Alkohol vermieden und auf ausreichende körperliche Aktivität geachtet werden. Falls niedrige Eisenwerte im Labor festgestellt werden, sollte die Einnahme von Eisen versucht werden. Ansonsten kann das Unruhegefühl der Beine durch verschiedene Medikamente gelindert werden. Am häufigsten werden auf den Dopamin-Stoffwechsel wirkende Substanzen eingesetzt. Diese Medikamente werden auch bei der Parkinsonerkrankung verordnet; das Restless-Legs-Syndrom hat mit der Parkinsonerkrankung jedoch nichts zu tun.
Neuroorthopädische Erkrankungen
Hierzu gehören Kompressionen von Nervenwurzeln, etwa bei Bandscheibenvorfällen sowie die Verengungen des Wirbelkanals im Hals- und unteren Wirbelsäulenbereich (zervikale und lumbale Spinalkanalstenose).
Wichtig ist die korrekte Diagnosestellung nicht nur auf der Basis der Bildgebung (wie z.B. MRT), sondern auch unterstützt durch die neurologische Untersuchung und gegebenenfalls weitere elektrophysiologische Verfahren. So können andere neurologische Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, abgegrenzt werden. Dies ist wichtig, da Veränderungen in CT oder MRT, wie etwa Einengungen des Spinalkanals insbesondere im höheren Lebensalter auch ohne Symptome vorkommen können. Falls eine Operation im Raum steht, können die Untersuchungsergebnisse und ihre Interpretation entsprechend der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie auch ein Baustein in der Entscheidung dafür oder dagegen sein.
Myasthenia gravis und Muskelerkrankungen
Bei der Myasthenie richtet sich das Immunsystem gegen die Strukturen für die Überleitung zwischen Nerven und Muskeln. Die Folge ist eine abnorme Ermüdbarkeit der Muskulatur. Zunächst sind häufig die Augenmuskeln betroffen, was zu Doppelbildern oder hängenden Augenlidern führt. Auch das Kauen und Schlucken, die Kopfhaltemuskulatur, die Bewegung von Armen und Beinen und sogar die Atemmuskulatur können betroffen sein. Therapeutisch werden Medikamente zur Verbesserung der Signalübertragung von Nerv auf Muskel meist kombiniert mit Substanzen, die das Immunsystem bremsen.
Muskelerkrankungen sind insgesamt selten, die Ursachen jedoch vielfältig. Prinzipiell können Muskelerkrankungen durch genetisch bedingte Störungen der Muskelstruktur oder des Energiestoffwechsels bedingt sein, oder aber durch Medikamente, Stoffwechselerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder durch verschiedene autoimmune Entzündungen verursacht werden.
Funktionelle Symptome und Neuro-Psychosomatik
Nicht immer lässt sich bei neurologischen Symptomen wie beispielsweise Schwindel, Gefühlsstörungen, Gedächtnisstörungen, Zittern (Tremor) oder epileptisch anmutenden Episoden eine strukturelle Erkrankung nachweisen. Häufig wird dann von einer "funktionellen neurologischen Störung" (englisch "functional neurological disorder") ausgegangen.
Die Ursachen derartiger Störungen sind vielfältig. Manchmal drücken sich emotionale Belastungen in körperlichen Empfindungen aus - wie das sprichwörtliche "Kopfzerbrechen" über Probleme, oder das "Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird" nach einem tragischen Ereignis. In anderen Fällen kann eine eigene Erkrankung oder auch eine miterlebte Erkrankung einer nahestehenden Person zu einer vermehrten Selbstaufmerksamkeit (in sich hineinhorchen) führen; eigentlich harmlose Empfindungen können dann als beunruhigend wahrgenommen werden. Manchmal handelt es sich um ungünstige Anpassungsstrategien des Gehirns - etwa, wenn nach einer akuten Schwindelerkrankung oder nach einem Sturz ein dauerhaftes, chronisches Schwindelgefühl bleibt. Nicht immer lässt sich für ein funktionelles Symptom eine Erklärung finden.
Diagnostisch muss zum einen eine genaue körperliche Abklärung erfolgen, um auszuschließen, dass eine sonstige neurologische Erkrankung als Ursache für die Symptome vorliegt. Zum anderen ergeben sich in der genauen neurologisch-körperlichen Untersuchung und in der Beschreibung der Beschwerden häufig Hinweise auf eine funktionelle Störung, die die Diagnose zusätzlich unterstützen.
Die Behandlung richtet sich nach dem im Vordergrund stehenden Symptom und reicht vom informativen Gespräch und Erklärung der Diagnose über Physio- oder Ergotherapie zu Psychotherapie (wobei diese nicht in der Praxis durchgeführt wird).